CONMAR

Konzepte zur Sanierung konventioneller Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee

Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)

01.12.2024 – 30.11.2027 (2. Projektphase) 

Küstengewässer sind weltweit von Munitionsaltlasten aus den beiden Weltkriegen belastet. Allein im deutschen Teil der Nordsee und Ostsee befinden sich rund 1,6 Millionen Tonnen Munition. 

Im Rahmen der Forschungsmission “Schutz und nachhaltige Nutzung mariner Räume” (sustainMare) der Deutschen Allianz Meeresforschung untersuchen wir im Verbundprojekt CONMAR die Verteilung und den Zustand der Munition in der deutschen Ostsee und Nordsee sowie die Auswirkungen des Sprengstoffs auf Organismen und Lebensräume. In Zusammenarbeit mit Beteiligten, wie Behörden, Ministerien, NGOs und Firmen werden aus den Erkenntnissen Handlungsempfehlungen für Überwachungs- und Sanierungsmaßnahmen abgeleitet.

Am Lehrstuhl für Meerestechnik werden in diesem Zusammenhang die Mobilisierung und Alterung der Munition sowie die Freisetzung und der Transport des Sprengstoffs untersucht. 

In einem offenen Gerinne sowie in einem kleinen Versuchstank messen wir den Bewegungsbeginn von Sprengstoffbrocken. Die Messergebnisse werden beim Leibniz Institut für Ostseeforschung in eine ozeanographische Simulation eingebunden, um die Ausbreitung von Sprengstoffbrocken in Nordsee und Ostsee zu ermitteln.

Anhand zahlreicher Labormessungen haben wir ein Berechnungsmodell entwickelt, das die Mobilisierung der Munitionskörper aufgrund der Meeresströmung und des Seegangs beschreibt und dabei die Kolkbildung an den Objekten berücksichtigt. Das Modell wurde anhand von Feldmessungen im Digital Ocean Lab vor der Küste Nienhagens überprüft und kalibriert, siehe Video. Weitere Messungen werden direkt in den Versenkungsgebieten durchgeführt.

Mit Hilfe des Berechnungsmodells ermitteln wir für munitionsbelastete Gebiete das Risiko des Zerfalls der Munition. Dabei können wir Klimawandel-Szenarien ebenso berücksichtigen, wie die Veränderungen des Seegangs durch Windparks. Aus der Analyse lässt sich ablesen, dass in einigen Gebieten die Alterung durch mechanische Einwirkung schneller voranschreitet, als in anderen. Diese Ergebnisse fließen neben weiteren Kriterien in eine Empfehlung zur Priorisierung der Räumungsaktivitäten ein.

 conmar-munition.eu/de/

GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung

Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Global Climate Forum

Leibniz Institut für Ostseeforschung

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Thünen Institut

Umweltbundesamt

Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein, Institut für Toxikologie

Universität Rostock, Lehrstuhl Meerestechnik